Kollaboration statt Kontrolle

Im digitalen Zeitalter müssen Unternehmen die Gräben zwischen Hierarchien und tradierten Rollenbildern überwinden. Das stellt hohe Ansprüche an Führung, meint Clarissa Haller, Gründungsmitglied des Vereins Global Women in PR Deutschland (GWPR).


Die immer größere Masse an Informationen, die jeden Tag
, jede Stunde, jede Minute über uns hinwegschwappt, droht uns fast zu ersticken. Klar ist: Die Herausforderungen, aber auch die Möglichkeiten für Kommunikatoren wachsen und wandeln sich rasant in unserer digitalisierten und vernetzten Kommunikationswelt.

Angesichts dieser Umbrüche gilt es, nicht in einen „Content Shock“ zu verfallen oder – schlimmer noch – diesen selbst weiter zu forcieren. Kommunikatoren müssen Thought Leader sein und Orientierung bieten, das heißt: ein tieferes Verständnis von Themen und Inhalten vermitteln, Leuchtturm sein, einordnen.

Es geht um relevante Kommunikation, die große Reichweite und starke Resonanz erzeugt. Das erfordert, sich von kreativen und organisatorischen Zwängen zu befreien und das Korsett althergebrachter Hierarchien und Rollenbilder abzustreifen. Und es erfordert starke Teams, die agil zusammenarbeiten. Die schnell und zielgerichtet auf aktuelle Themen und Ereignisse reagieren.

Dafür kommt es nicht nur auf die richtige Strategie und die richtige organisatorische Aufstellung an. Kommunikation 4.0 lebt von einer offenen Denkweise und einer Kultur der Kollaboration. Sie gründet auf einem starken, gemeinsamen Ziel. Einem Ziel, das verbindet. Das nicht von oben vorgeschrieben oder auferlegt, sondern gemeinsam entwickelt und erarbeitet wird.

Eine wirklich starke Kommunikationsabteilung ist letztlich die Summe der Hoffnungen, Überzeugungen und Wünsche eines vielfältigen, hochgradig kompetenten und engagierten globalen Teams. Es geht um mehr als Fachkenntnisse und Qualifikationen. Es geht um die Einstellung, die richtige Denkweise. Es geht darum, Silos aufzubrechen und vertrauensvoll zusammenzuarbeiten – über Hierarchien, organisatorische und geografische Barrieren hinweg, aber natürlich auch über Geschlechtergrenzen, ethnische und kulturelle Gräben. Kommunikation muss verbinden!

Führungskräfte nehmen dabei eine zentrale Rolle ein – eine Rolle, die sich stetig ändert und immer neue Herausforderungen stellt. Natürlich braucht es Zeit, sich als Führungskraft weiterzuentwickeln, sich verschiedene Fähigkeiten anzueignen, auf wechselnde Situationen und Anforderungen einzustellen und so immer weitere Facetten der eigenen Führungsrolle zu erschließen. Ebenso wenig kann man von heute auf morgen von einem hierarchischen in einen offenen, kollaborativen Führungsstil wechseln.

Doch mit einer guten Portion Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen, mit Kreativität und Mut, jeden Tag etwas auszuprobieren und dazuzulernen, kann man auch sein Team Stück für Stück zu mehr Eigenverantwortung und Selbstorganisation ermächtigen. Kommunikation 4.0 ist schnell, direkt, offen, grenzenlos. Und genau so muss auch Führung im digitalen Zeitalter funktionieren: weg von „Command und Control“, hin zu „Collaboration and Co-Creation“.

©2019 Global Women in Public Relations Deutschland