Nicht zögern, zugreifen!

Monika Schaller ist Gründungsmitglied des Vereins Global Women in PR Deutschland (GWPR). Von Frauenquoten hält die Vize-Konzernsprecherin der Deutschen Bank und designierte Kommunikationschefin von Deutsche Post DHL nichts. Sie fordert: Unternehmen müssen konservative Frauenbilder überwinden – und Frauen müssen sich nehmen, was sie wollen und verdienen.

Wenn ich 20 Jahre zurückdenke, erinnere ich mich an eine einzige Kommunikationschefin eines Dax-Konzerns. Heute ist fast ein Drittel dieser Spitzenpositionen in den 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands mit Frauen besetzt. Auf den ersten Blick eine Erfolgsstory. Aber müssten die Zahlen nicht höher sein? Rund 75 Prozent der Berufseinsteiger in der Kommunikation sind heute weiblich. Gemessen daran sind sie in den Chefpositionen also unterrepräsentiert.

Generell scheint in Deutschland und in vielen Unternehmen immer noch ein konservatives Frauenbild vorzuherrschen. Das gilt sowohl für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als auch für die Frage, ob man Frauen Führungspositionen zutraut. Das muss sich ändern. Nicht nur in Worten, sondern in Taten.

Dabei glaube ich nicht an eine Quote als Königsweg, um Frauen faire Karrierechancen zu sichern. Ich bin überzeugt, dass wir uns aus eigener Kraft durchsetzen können und sollten. Wir müssen es uns zutrauen, uns gegenseitig fördern, unterstützen und beraten. Ein gutes Netzwerk ist alles.

Ich möchte aber nicht schön färben. Frauen wird der Aufstieg immer noch schwerer gemacht als Männern. Eigenschaften, die als typisch weiblich angesehen werden, qualifizieren uns für diesen Beruf: Wir sind empathisch, können gut zuhören, pflegen einen gemeinschaftlichen Führungsstil. Doch genau diese Eigenschaften stehen uns auf der Karriereleiter im Weg.

Wie oft habe ich erlebt, dass freundliche Kolleginnen als durchsetzungsschwach oder konfliktscheu kritisiert wurden. Wenn sich Frauen hingegen durchsetzen, werden ihnen negative Attribute angeheftet, sie gelten als tough oder verbissen. Während man es männlichen Kollegen offensichtlich zutraut, harte und weiche Seiten zu vereinen, werden wir Frauen gern in eine der beiden Schubladen gesteckt. Obwohl das Wort abgegriffen wirkt: Hier braucht es einen Kulturwandel!

Und auch wir Frauen müssen mutiger werden. Gern stellen Kolleginnen ihr Licht unter den Scheffel, hadern damit, sich selbst zu vermarkten, und managen ihre Karriere eher passiv statt aktiv. An diese Frauen kann ich nur appellieren: Wartet nicht ab, bis man euch Gelegenheiten auf dem Silbertablett serviert – nehmt Euch, was Ihr wollt und was Ihr verdient! Geht aktiv auf Manager zu und formuliert Euer Karriereziel! Nur wenn man weiß, was Eure Ziele sind, wird man an Euch denken, wenn Führungspositionen zu besetzen sind.

Was also würde ich Kolleginnen raten? Bleibt authentisch, zeigt Leidenschaft und artikuliert ganz deutlich Euren Willen, nach oben zu kommen. Habt auch den Mut zur Lücke, habt auch den Mut, Fehler zu machen. Klar, die Gelegenheit des Chefpostens muss sich immer auch ergeben. Bereitet euch aber schon jetzt vor und positioniert Euch. Und wenn die Chance kommt, dann heißt es: nicht zögern, zugreifen!

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