Paradigmenwechsel in der Kommunikation

Die Kommunikation muss die Führung in Transformationszeiten unterstützen, schreibt Sabia Schwarzer, Gründungsmitglied der Global Women in PR (GWPR) Deutschland. Wie das geht, erklärt sie am Beispiel des New Yorker Rabbis Bob Kaplan.

Was hilft, die eigenen Gedanken über die Zukunft der Unternehmenskommunikation neu zu ordnen? Mit einem Rabbi sprechen! Rabbi Bob Kaplan aus New York, mit Herzblut engagiert in der interkulturellen Verständigung, hat die Allianz in München besucht. Sein Thema: Brückenbau.

Wie schaffe ich Verbindungen zwischen Menschen, die auf den ersten Blick nichts eint? So wie es in Unternehmen oft ist – wenn wir einmal davon absehen, dass alle ein Gehalt wollen und den meisten der Unternehmenszweck („purpose“) etwas bedeutet.

Doch eine Stufe tiefer? Singles können wenig mit Familienmenschen anfangen. Topmanagern fällt es manchmal schwer, sich in die Welt der Mitarbeiter einzufühlen. Generation Schreibmaschine versteht Generation Smartphone nicht. Großstrategen fehlt das Gespür für die Welt der Umsetzer. Der Geschäftsalltag zerfiel schon immer in diese Sphären.

Das Neue: Unternehmen sind in einer Zeit des schwindelerregenden Wandels auf ganz andere Art darauf angewiesen, dass alle miteinander im Gespräch bleiben und eng zusammenarbeiten. Damit aus Dynamik Kapital geschlagen werden kann. Und nicht etwa die nächste große Veränderungswelle das Unternehmen wegspült, weil es nicht mehr zeitgemäß arbeitet.

Bob brachte das Thema „Würde“ auf. Ohne diese Anerkennung ist produktives Zusammenwirken undenkbar.Was also ist zu tun, damit Transformation in Unternehmen gelingt, die Zusammenarbeit funktioniert und dennoch jeder seine Würde geachtet sieht – trotz aller Leistungsbewertungen, Abgabetermine und ständigem Druck?

Statt zu antworten, erzählt Bob Kaplan eine Geschichte. Sie handelt von einem religiösen Verständigungsgespräch zwischen ihm und einem Ajatollah, das so gar nicht in Gang kommen wollte. Beide Geistliche: gefangen in ihren Glaubenssystemen. Doch dann tritt durch die Tür: ein schwarz gekleideter, tätowierter, Ohrringe und eine gewagte Hochfrisur tragender junger Mann. Der Sohn des Ajatollahs! Als er wieder verschwindet, beugt sich Bob vor: „Du hast auch einen Sohn, der ganz andere Wege als Du beschreitet? Wie gehst Du mit der Situation um?“

Nun waren es die Väter und nicht die Repräsentanten von Weltreligionen, die sich über ungewöhnliche Söhne unterhielten. Es war ein sehr menschliches Gespräch, getragen von wechselseitigem Respekt vor der Würde des anderen.

Seither fließt auch der transreligiöse Dialog reibungslos, und die Geistlichen schaffen es, ihre jeweiligen Gemeinden zusammenzubringen. Der Durchbruch: Nicht Ämter und Funktionen suchten das Miteinander, sondern Mensch zu Mensch. Übrigens: Dies ist eine Geschichte, erzählt im „Engine Room for Transformation“ der Allianz – ein neues Kommunikationsformat für Mitarbeiter aller Stufen.

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