Zeig mit deine Zahlen!

 

70 Prozent Frauen und 30 Prozent Männer – so sieht das Geschlechterverhältnis in der BASF-Kommunikation aus. Für sich genommenist das weder gut noch schlecht, meint Anke Schmidt, Gründungsmitglied des Vereins Global Women in PR (GWPR) Deutschland. Man muss die Zahlen ins Verhältnis setzen. 

Vor einigen Jahren habe ich in unserem Unternehmen das Themengebiet Diversity & Inclusion verantwortet. Ich erinnere mich noch gut an die engagierten Diskussionen rund um die Themen Frauenförderung und Frauenquote in Deutschland. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum ich von meinen männlichen Kollegen regelmäßig die provokante Frage höre: „Na, wie hältst Du es denn nun eigentlich mit Diversity?“ Denn: Heute sind in meinem Team 70 Prozent Frauen und 30 Prozent Männer.

Ist das jetzt gut oder schlecht? Ehrlich gesagt, für sich genommen, sagt das Verhältnis recht wenig aus. Aber ein Blick „hinter“ die Zahlen kann hilfreich sein. Als Führungskraft (weiblich wie männlich) geht es darum, das beste und erfolgreichste Team zu fördern – unabhängig von Geschlecht, Nationalität und Alter.

Das beginnt bei der Einstellung von Talenten und der Frage: Spiegelt die Zahl meiner Einstellungen das Verhältnis der Absolventenzahlen des relevanten Studiengangs wider? Und: Gebe ich Männern und Frauen anschließend die gleichen Beförderungschancen?

Auch hier hilft ein Blick auf die  Zahlen – und das möglichst über alle Entwicklungsstufen hinweg, am besten als fester Bestandteil der jährlichen Personalklausur. Verändert sich nämlich das ursprüngliche Verhältnis, zum Beispiel wenn es um die erste Führungsebene geht, bekomme ich ein eindeutiges Signal, dass hier etwas verrutscht. Für mein Team heißt das: 70 zu 30 ist nur dann gut, wenn das gleiche Verhältnis auch für die Führungsebenen gilt (tut es!).

Es ist nicht nur richtig, sondern auch klug, für Gleichberechtigung zu sorgen. Denn es ist offenkundig, dass vielfältig besetzte Teams erfolgreicher sind. Übrigens: Studien haben gezeigt, dass eine Minderheit erst dann einen wahrnehmbaren Unterschied macht, wenn sie mit 30 Prozent vertreten ist. Deshalb ist mir der Anteil unserer männlichen Talente auch wichtig.

Da ertappe ich mich doch neulich bei dem Satz: „Bei gleicher Qualifikation werden Männer bevorzugt eingestellt.“ Ich höre schon förmlich, wie meine – diesmal weiblichen – Kollegen ihre provokante Frage stellen … Der Mix bleibt also eine beständige Herausforderung.

©2019 Global Women in Public Relations Deutschland