Beziehungsgeflecht

Unternehmen sollten Liebesbeziehungen zwischen Mitarbeitern nicht verteufeln, meint Tina MentnerManaging Partnerbei Hering Schuppener in Düsseldorf und Gründungsmitglied von Global Women in PR Deutschland. Sie können davon sogar profitieren.

Als ich am 10. November beim Frühstück die Sonntagszeitung las, ließ mich eine Nachricht aus dem Hause McDonald’s mit Unverständnis zurück: CEO Steve Easterbrook wurde gefeuert, weil er und eine Mitarbeiterin sich verliebt hatten. Beziehungen innerhalb des Konzerns sind bei McDonald’s ein No-Go, was mit den „Familienwerten“des Unternehme

ns begründet wird.

Ich sehe das anders: Für mich ist es nicht Sache eines Unternehmens, seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorzuschreiben, wen sie lieben dürfen. Gerade Großunternehmen erwarten von ihren Beschäftigten oft erheblichen Einsatz. Das Sozialleben wird dadurch regelmäßig beschnitten. Wann sollen Singles dann noch Partner kennenlernen? Und wann sollen sie eine aufkommende Beziehung weiter ausbauen?

Wir verbringen sehr viel Zeit im Büro und sehen, wie eine attraktiv erscheinende Person in gewissen Situationen reagiert. Wir treffen sie in Meetings, gehen mit ihr mittagessen, nach dem Büro noch einen Wein trinken – die Zuneigung wächst, und das ist doch nur menschlich.

Das Gleiche gilt auch und vielleicht erst recht in der PR. Denn hier arbeiten kommunikativ aufgeschlossene Menschen. Und wenn zwei sich dann entschließen, eine ernsthafte Beziehung zu führen, so ist das nicht nur gut für sie, sondern auch für das Unternehmen. Schließlich zeigt die seit den 1930er Jahren laufende „Second Generation Study“ der Harvard-Universität, dass Menschen in erfüllten Beziehungen glücklicher sind. Und glückliche Menschen, das zeigen andere Studien, arbeiten motivierter, teamorientierter und härter – und sie sind loyaler gegenüber dem Arbeitgeber.

Allerdings: Die Beziehung sollte kein Geheimnis bleiben. Raus kommt sie ohnehin irgendwann. Und um Gerüchten den Boden zu entziehen, sollten die Liebenden offensiv dazu stehen, dass sie zusammen sind. Zumindest bei Hering Schuppener halten wir das von jeher so und sind immer sehr gut damit gefahren.

Gerade wenn einer der Verliebten der oder die Vorgesetzte des oder der anderen ist, würde ich von dieser Regel nicht abweichen. Wir alle sollten erwachsen und professionell genug sein, jemanden nicht zu begünstigen, weil man neben dieser Person aufwacht.

Glücklicherweise gibt es Unternehmen, die ähnlich realistisch an die Sache herangehen wie wir. McKinsey Schweiz beispielsweise kommentierte die Causa Easterbrook gegenüber der NZZ so: Beziehungen unter Mitarbeitern hätten nur die Folge, dass die Partner nicht bei konkurrierenden Klienten eingesetzt würden. Der Pharmakonzern Roche erklärte, man setze ganz darauf, dass Mitarbeiter Interessenkonflikte erkennen und vermeiden – eine sehr gesunde Einstellung, wie ich finde.

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